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Ein Schweizer? Nein danke – oder eine Warnung für Thierry Paterlini

Tigers Head Coach Thierry Paterlini, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Genf-Servette, am Freitag, 16. Januar 2026, in der Emmental Versicherung ...
Langnaus Thierry Paterlini ist einer der erfolgreichsten Schweizer Trainer, doch auch er muss sich hüten, findet der Eismeister.Bild: keystone
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Ein Schweizer? Nein danke – oder eine Warnung für Thierry Paterlini

Die grossen Verlierer dieser Saison sind die Schweizer Trainer. Wenn der Kanadier Christian Dubé ein Schweizer namens Chrigel Dubach wäre, hätte er den Job in Biel nicht bekommen. Das sollte Langnaus Thierry Paterlini eine eindringliche Warnung sein.
09.03.2026, 04:1409.03.2026, 06:20

Im Eishockey gibt es immer wieder eine neue Chance. Nur nicht für Schweizer Trainer. Aber schien es denn nicht, als hätten sie endlich die Anerkennung bekommen, die sie verdienen? Und es sah doch so aus, als hätten die Sportchefs rechnen gelernt: Ein Schweizer beansprucht kein Netto-Gehalt, zahlt die Steuern selbst, kümmert sich das ganze Jahr um das Wohl des Teams und ist fachlich meistens mindestens so gut oder gar besser als ein Ausländer.

Ja, so schien es im Herbst. Die ZSC Lions, Zug, Langnau und Ambri haben die Saison mit einem Schweizer an der Bande begonnen. Aber nun ist doch wieder alles anders.

Luca Cereda, der den Klub zusammen mit Sportchef Paolo Duca fast acht Jahre lang geprägt hat, ist nicht mehr im Amt. In Zug musste Michael Liniger als Sündenbock für die Fehler des Managements herhalten. Das ist noch nicht beunruhigend. Trainerwechsel gehören zum Geschäft. Zutiefst beunruhigend ist hingegen, dass die einheimischen Trainer keine Chance bekommen haben, als es um die Besetzung der freigewordenen Jobs ging.

Head Coach Michael Liniger (EVZ) speaks with his players, during the regular season National League game between HC Ambri Piotta and EV Zug at the ice stadium Gottardo Arena, Switzerland, January 6, 2 ...
Michael Liniger wurde bereits in dieser Saison entlassen.Bild: keystone

Die offenen Türen in Bern, Zug, Biel und Ambri hätten eigentlich Chancen für eine neue Generation von Schweizer Trainern sein können. Doch sie blieben ungenutzt. Ausgerechnet in Ambri, wo Phantom-Sportchef Lars Weibel schwadroniert hatte, er werde auf Schweizer Trainer setzen, ist für drei Jahre (!) ein Finne engagiert worden. Der SCB hat lieber den Dänen Heinz Ehlers aus dem Vorruhestand zurückgeholt, als einem Schweizer eine Chance zu geben. Biel hat es vorgezogen, die Mannschaft einem charismatischen Kanadier anzuvertrauen, und Zug beschäftigt einen Kanadier ohne Charisma.

Mehr noch: Diese Behauptung sei gewagt: Wenn Christian Dubé nicht Kanadier, sondern ein Schweizer namens Chrigel Dubach wäre, dann hätte er mit seinem mageren Leistungsausweis als Coach (nur einmal im Halbfinal) den Job nicht bekommen. Und wenn der Kanadier Benoît Groulx ein Schweizer namens Bernhard Grunder wäre und – wie Groulx – in den zwei letzten Jahren in Russland gearbeitet hätte, dann wäre er gar Persona non grata. Und sicher nicht Trainer in Zug.

Head Coach Christian Dube (EHCB) freut sich im Spiel der Eishockey National League zwischen EHC Biel-Bienne, EHCB, und SCL Tigers, SCL, am Samstag, 7. Maerz 2026, in Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Pe ...
Christian Dubé schaffte es mit Biel in die Play-Ins.Bild: keystone

Immer mehr zeigt sich: Das Misstrauen gegenüber Schweizer Trainern, das eigentlich überwunden schien, wurzelt offenbar nach wie vor porentief in unserer Hockey-DNA. Nicht einmal Nationaltrainer Patrick Fischer hat daran etwas zu ändern vermocht. Vielmehr sieht er sich in konservativen Hockey-Kreisen vermehrt der Kritik ausgesetzt, als typischer Schweizer verliere er alle entscheidenden Spiele. Dass drei davon WM-Finals waren, wird ausgeblendet.

Lars Leuenberger, immerhin 2016 SCB-Meistertrainer, bleibt weiterhin nur die Rolle als Assistent bei Gottéron. Er hatte keine Chance, in Bern für Jussi Tapola einspringen zu können. Kevin Schläpfer, einst Hockey-Gott in Biel, wird wohl nie mehr aus der nationalen Bedeutungslosigkeit in Basel hinausfinden. Er war nicht einmal mehr ein Thema, als in Ambri, Zug und Bern ein Ersatztrainer gesucht worden ist.

Christian Wohlwend, der den HCD nach der Ära Arno Del Curto sportlich wieder in die Spitzengruppe zurückgeführt und sich auch in Ajoie bewährt hatte, hofft in Olten vergeblich auf Erlösung. Martin Plüss holte lieber Heinz Ehlers in Basel aus dem Vorruhestand, als Volvo in Bern eine Chance zu geben. Luca Cereda muss mit einem Job als Junioren-Trainer (U-20-Nationalteam) Vorlieb nehmen. Auf ein Banden-Kommando bei einem anderen Klub in der höchsten Liga konnte er nicht hoffen. Und kein Sportchef wird Michael Liniger davon abhalten, erst einmal eine längere Ruhepause einzulegen. Diese Pause wird womöglich jahrelang dauern.

L'entraineur Christian Wohlwend (HCA) reagit lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre HC Ajoie, et HC Davos le samedi 12 octobre 2024 a la patinoire de la  ...
Wann kehrt Christian Wohlwend in die National League zurück.Bild: keystone

Nicht nur Lars Leuenberger, Kevin Schläpfer, Michael Liniger oder Christian Wohlwend sind auf dem Arbeitsmarkt der National League schwer vermittelbar. Eine ganze neue Generation von jungen Trainern – Marcel Jenni, Daniel Bieri, Daniel Steiner, Rolf Schrepfer, Markus Studer, Reto und Jan von Arx oder Patrick Schöb – wartet vergeblich auf eine Chance oder verzichtet mit klugem Misstrauen auf die Offerten. Ambri hat zwar Reto und Jan von Arx ein Angebot über drei Jahre unterbreitet. Aber die beiden klugen Emmentaler lehnten ab. Wohlwissend, dass sie in schwierigen Zeiten bei Phantom-Sportchef Lars Weibel mit nullkommanull Loyalität rechnen könnten.

Wären all die Schweizer Trainer Kanadier, Schweden, Finnen, Amerikaner oder Tschechen, dann könnten sie aus mehreren Angeboten das passende auswählen und wären bei freiwerdenden Stellen unter der Saison erste Wahl. Nach wie vor ist der Schweizer Pass in diesem Geschäft ein Makel.

Womit wir bei einem der interessantesten Schweizer Trainer der Neuzeit sind: Langnaus Thierry Paterlini. Er bekam den Job auch deshalb, weil Michael Liniger ein Angebot aus Langnau ausgeschlagen hat. Mit der Begründung, für die Karriereplanung sei es besser, einen Topklub zu übernehmen. Er hat tatsächlich in Zug eine Chance bekommen, ist gescheitert und wird, da er einen Schweizer Pass hat, lange auf die nächste Offerte warten müssen. Auch hier: Hiesse er Mikael Lindqvist, dann könnte er bereits Offerten sortieren.

Thierry Paterlinis Vertrag in Langnau läuft Ende der nächsten Saison aus. Zeit, den nächsten Karriere-Schritt zu wagen und die Spekulationen, ob er bleiben wird oder nicht, werden schon bald beginnen. Er hat trotz des leichten Rückschlages – soeben auf Rang 11 das Saisonziel (10. Platz) knapp verpasst – von allen Schweizer Trainern die besten Chancen. Vier Jahre geduldige, beharrliche Aufbauarbeit sind eine solide Referenz. Gut möglich, dass er – je nachdem, was nächste Saison passieren wird – Angebote von Klubs bekommt, die mehr wirtschaftliches und sportliches Potenzial als die SCL Tigers haben. Je nachdem, wie die Hockey-Götter würfeln, kann er in Bern, Biel, Zürich oder Zug ein Thema werden.

Aber die Erfahrung lehrt, dass Schweizer Trainer ihren Arbeitsplatz sehr sorgfältig aussuchen sollten. Weil sie nach einem Scheitern – anders als Ausländer – kaum mehr eine echte Chance bekommen. In Langnau hat Thierry Paterlini die bedingungslose Unterstützung von Sportchef Pascal Müller. Mit ihm kann er die Kaderplanung vorantreiben. Loyalität könnte er allenfalls noch bei den ZSC Lions erwarten. Die Art und Weise, wie Manager Peter Zahner und Sportchef Sven Leuenberger diese Saison Marco Bayer unterstützen, ist bemerkenswert. Aber in Zug oder in Bern ist der Trainer der perfekte Sündenbock, der in schwierigen Zeiten mit keinerlei Rückendeckung rechnen kann. Michael Liniger ist in Zug sogar von einem Sportchef verraten worden, der aus dem gleichen Dorf stammt.

Eigentlich sollte Thierry Paterlini sein Pulver in Langnau sorgfältig trocken halten, seine Mission fortsetzen und den Ruf kultivieren, er wäre eigentlich bei weitem fähig, einen Grossklub zu führen. Aber alle diesbezüglichen Offerten ausschlagen. Um bereit zu sein, für den einzigen Job, der für ihn tatsächlich eine Verbesserung bedeuten und nicht in die Karriere-Sackgasse führen würde: der Posten eines Nationaltrainers als Nachfolger von Jan Cadieux. Auch für Jan Cadieux – immerhin in Genf Meister und Sieger der Champions League – war nach der Amtsenthebung in Genf der Verband die einzige Möglichkeit, im Geschäft zu bleiben. Erst als U20-Nationalcoach und nun als Nachfolger von Patrick Fischer.

Selbst Patrick Fischer hatte nach seiner Entlassung in Lugano im Oktober 2015 nur noch beim Verband einen Job gefunden. Und ist der erfolgreichste Nationaltrainer unserer Geschichte geworden. Erfolgreicher als alle Ausländer.

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    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

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